Boxhagener Platz
Matti Geschonneck

Kinostart: 04.03.2010
Deutschland, Frankreich 2010
FSK 6 · Laufzeit 103 Min. · Bild 1:1.85

„Es ist ein ganz und gar ungewöhnlicher Film über die DDR, fern jeder Ostalgie und dennoch auf eine bestimmte Weise warmherzig, die man früher volkstümlich genannt hätte. Und doch trifft er die Stimmung aus Unfreiheit und sentimentaler Sehnsucht besser als all seine Vorgänger im Genre des deutschen Erinnerungsfilms, eindringlicher als "Das Leben der anderen" und "Sonnenallee" Frankfurter Rundschau

Trailer

Synopsis

1968 in Ostberlin: Studentenunruhen und sexuelle Revolution im Westen, Panzer in Prag. Und auf dem Ostberliner BOXHAGENER PLATZ erleben Oma Otti (Gudrun Ritter) und ihr zwölfjähriger Enkel Holger (Samuel Schneider) ihre ganz eigenen Abenteuer. Otti hat schon fünf Ehemänner ins Grab gebracht und dem sechsten geht es auch nicht mehr so gut, als sie Avancen von Altnazi Fisch- Winkler (Horst Krause) und dem ehemaligen Spartakuskämpfer Karl Wegner (Michael Gwisdek) erhält. Otti verliebt sich in Karl und plötzlich ist Fisch-Winkler tot. Holger avanciert zum Hobbydetektiv und lernt dabei einiges über die Liebe, die 68er Revolte und wie man mit "revolutionären“ Geheimnissen Frauen rumkriegt. Bis Holger einen Fehler begeht, der ausgerechnet Karl in Gefahr bringt...

Trockener Humor, Melancholie und Berliner Charme – mit diesen Zutaten wirft BOXHAGENER PLATZ einen Blick zurück auf die 60er Jahre. Und auf eine wunderbare Liebesgeschichte zwischen einer friedhofs- und kochbegeisterten älteren Dame und einem eleganten Ex-Spartakisten. Der Film ist eine Liebeserklärung an die Stadt Berlin, an den kleinen Kosmos Boxhagener Platz und seine liebenswerten Bewohner und gleichzeitig eine Hommage an phantastische Schauspielgrößen aus Ost und West. BOXHAGENER PLATZ - ein Berliner Heimatfilm im besten Sinne.

Der vielfach preisgekrönte und am Boxhagener Platz aufgewachsene Berliner Regisseur Matti Geschonneck inszenierte den Film nach dem gleichnamigen Romandebüt von Torsten Schulz, der auch das Drehbuch verfasste

Fotos

© Pandora Film Verleih

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Medien

Im Kino
ab 04.03.2010


Auf DVD
ab 10.09.2010


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Details

FSK 6

Laufzeit 103 Min.

Ton

  • Deutsch 2.0 DD/ 5.1 DD

Bild

  • 16:9

Extras

  • Making Of

Als VoD
ab 17.05.2014


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Details

FSK 6

Pressestimmen

« Eine Hommage an jenes untergegangene, im Sanierungskrieg zerstšrte Ost-Berlin.  » Die Zeit
« Hart, herzlich, auf den Punkt - Berlin aus der Seele gefilmt. » Die Welt
« Eine melancholisch-liebeswerte Kiez-Geschichte, eine Liebeserklärung an das Jahr 1968 in Ost-Berlin.  » B.Z.
« Ein Berlin-Film, wie er im Buche steht » Tagesspiegel
« Eine herrlich schnoddrige, berlinerische, scharfe Milieu-Komödie mit viel unterhaltsamen Tiefgang » Deutschlandradio Kultur
« Ein Heimatfilm, der auch ohne konventionelles Happy End glücklich macht » BR Kinokino
« Noch in den kleinsten Nebenrollen Schauspielerglanz Ost und West. » Theater Heute
« Eine dichte Reihung liebevoll ausgestatteter Szenen, die "Good Bye Lenin!" locker das Wasser reichen können. Als Milieu-Komödie eine unterhaltsam runde Sache. » TAZ
« Ein ganz und gar ungewöhnlicher Film über die DDR, fern jeder Ostalgie und dennoch auf eine bestimmte Weise warmherzig » Frankfurter Rundschau
« Herrausragend » Frankfurter Neue Presse
« Ein Panoptikum kräftiger Kiez-Typen, die sich mit Mutterwitz durch den Alltag schlagen, die gallig und galgenhumorig, oft still und meist warmherzig sind. » Leipziger Volkszeitung
« Matti Geschonneks "Boxhagener Platz" mit Gudrun Ritter und Michael Gwisdek ist eine Hommage an Berlin und seine Stars. Michael Gwisdeck sekundiert ganz ausgezeichnet, in einer ungewöhnlich zurückgenommenen Rolle (...) Hinzu kommt Jürgen Vogel als erfolgloser ABVer, kurz für Abschnittsbevollmächtigter, und eine überragend gute Meret Becker als nervöse, es nur mühsam in den engen Grenzen der DDR aushaltende Bohèmienne: sehr apart, sehr fragil, sehr glaubwürdig. » Tagesspiegel
« Boxhagener Platz ist ein großartiger Berliner Heimatfilm. Der erste Kinofilm von Matti Geschonneck (....) ist so lakonisch-klarsichtig wie seine Figuren; keine Szene dauert auch nur eine Sekunde länger als nötig. Die DDR ist mit "Boxhagener Platz" von der Phase der Nostalgie in jene der Melancholie übergetreten. Wer nicht länger nostalgisch unwiederbringlich Beendetes zurückersehnt, kann sich ruhig mal ein paar Stunden dem melancholischen Schmerz über das Vergangene hingeben. » Die Welt
« BOXHAGENER PLATZ ist eine muntere Hommage an kleine Leute mit großen Sorgen und Hoffnungen. » Cinema
« Reichlich Berliner Schnauze, also trockener Humor, ein großartiges Ensemble und der marode Charme eines Berliner Viertels in den 60ern sind die wesentlichen Zutaten, aus denen Matti Geschonneck einen turbulenten Heimatfilm zaubert, der im Kern eine anrührende Liebesgeschichte erzählt. Torsten Schulz, der nach seinem gleichnamigen Roman auch das Drehbuch verfasste, ist ein großartiger Szenen- und Dialogschreiber – Wortwitz und Pointen fliegen einem nur so um die Ohren! » Player
« Eine der seltenen, gelungenen Komödien des Festivals kommt von Matti Geschonneck. In «Boxhagener Platz» erzählt er mit großartigen Schauspielern von einer Familie, die im Jahr 1968 in Ost-Berlin lebt und so gar nicht ins typische DDR-Bürger-Schema passt. In der liebevollen, bis ins Detail realistisch ausgestatteten Verfilmung des Romans von Torsten Schulz dreht sich alles um Oma Ottilie (Gudrun Ritter) und ihre zahlreichen Verehrer (u.a. Michael Gwisdek). » Zeit Online

Credits

Cast

Otti HenschelGudrun Ritter
Karl WegnerMichael Gwisdek
HolgerSamuel Schneider
RenateMeret Becker
Klaus-DieterJürgen Vogel

Crew

RegieMatti Geschonneck
DregbuchTorsten Schulz
KameraMartin Langer
SzenenbildLothar Holler
ProduktionNicole Swidler

Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion GmbH

Background Infos

Matti Geschonneck

Der Berliner Matti Geschonneck studierte Regie am Sergej-Eisenstein-Institut in Moskau. Er wurde vom Studium abberufen und als SED-Mitglied gestrichen, weil er sich nach Wolf Biermanns Ausbürgerung von diesem nicht distanzierte. 1978 verließ er die DDR. Er arbeitete als Regieassistent, unter anderem bei Thomas Langhoff und Eberhard Fechner. In Berlin drehte er Anfang der 90er Jahre den Kinofilm Moebius, außerdem beim SFB mehrere Tatort-Folgen mit Günter Lamprecht.

Mit seinen zahlreichen preisgekrönten Fernsehfilmen wie 'Die Nachrichten' (Adolf-Grimme-Preis, Fernsehspielpreis der Akademie der Darstellenden Künste), 'Silberhochzeit' (beide Deutscher Fernsehpreis und Bayerischer Fernsehpreis), 'Die Mutter' (Bayerischer Fernsehpreis) oder 'Duell in der Nacht' (Deutscher Fernsehkrimipreis) zählt er zu Deutschlands renommiertesten Regisseuren.

Gudrun Ritter

Gudrun Ritter wurde 1936 in Marienberg im Erzgebirge geboren. Von 1956 - 1959 studierte sie an der Theaterhochschule in Leipzig. Am Deutschen Theater Berlin, zu dessen festen Ensemble sie mehr als 40 Jahre gehörte, spielte sie u.a. die Titelrollen in Miss Sara Sampson und Elektra sowie die Elisabeth in Maria Stuart und die Minna Scholz in Das Friedensfest. Sowohl am Berliner Ensemble als auch am Deutschen Theater steht Gudrun Ritter nach wie vor auf der Bühne.

Neben dem Theater wirkte sie in zahlreichen Fernsehproduktionen wie in dem Weihnachtsklassiker 'Die Weihnachtsgans Auguste' mit und wird bis heute häufig und gern in Tatorten, Polizeirufen u.a. Filmen besetzt. 2009 drehte sie unter der Regie von Andreas Kleinert Haus und Kind für die ARD. Im Kino war sie u.a. in Verbotene Liebe, Coming Out und Antikörper zu sehen. 2006 war sie als Beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in 'Bella Block - Das Glück der anderen' für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Michael Gwisdek

Michael Gwisdek begann 1965 seine Schauspielausbildung. Er spielte an verschiedenen Theatern, zuerst in Karl-Marx-Stadt, später am Deutschen Theater und an der Volksbühne Berlin. Gleichzeitig wirkte er in über 130 Filmen mit. In den letzten Jahren trat er sowohl im 'Tatort' und zahlreichen Fernsehspielen als auch in Kinofilmen wie 'Good Bye, Lenin!' und 'Der Baader Meinhof Komplex' in Erscheinung.

Seine schauspielerischen Leistungen brachten ihm bereits mehrere Auszeichnungen ein. So erhielt er 1984 den Preis für den besten Darsteller des Filmfestivals Chicago für 'Der Fall Bachmeier - keine Zeit für Tränen', 1991 den deutschen Filmpreis in Gold für seine Rolle in 'Der Tangospieler' und bei der Berlinale 1999 einen Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller in dem Film 'Nachtgestalten'. 2000 wurde Michael Gwisdek zusätzlich mit dem Ernst Lubitsch-Preis ausgezeichnet. 2008 erhielt er den Deutschen Fernsehpreis als bester Schauspieler in einer Nebenrolle für 'Das Wunder von Berlin'. Neben seiner Arbeit als Schauspieler führt Michael Gwisdek auch Regie. Für sein Regiedebüt 'Treffen in Travers' (1988) wurde er mit dem Nationalen Filmpreis der DDR ausgezeichnet. Die Projekte 'Abschied von Agnes' (1994) und 'Das Mambospiel' (1998) verantwortete er als Regisseur und Drehbuchautor und wirkte auch als Darsteller mit. 2010 ist er neben 'Boxhagener Platz' auch in 'Vater Morgana' und 'el Niño' im Kino zu sehen.

Samuel Schneider

Samuel Schneider wurde im April 1995 geboren. Er absolviert seit drei Jahren am Special Coaching Actors Studio ein regelmäßiges Schauspieltraining und wirkte bereits in folgenden Produktionen als Schauspieler mit: 'Das Wintermärchen' (Berliner Ensemble, Regie: Robert Wilson), 'Lily C.' (ZDF, Regie: Andreas Senn), 'Guter Junge' (ARD, Regie: Torsten C. Fischer), 'Soko Wismar' (ZDF, Regie: Dirk Pientka), 'Schautag' (Abschlussfilm, Hamburg Media School, Regie: Marvin Kren) und '13 + 1' (SAT 1, Regie: Josh Broecker).

Meret Becker

Meret Becker arbeitete mit namhaften Regisseuren wie Sönke Wortmann, Doris Dörrie, Wolfgang Becker, Caroline Link, Dominik Graf, Helmut Dietl, Joseph Vilsmaier, Dani Levy und Neele Leana Vollmar und Steven Spielberg. Sie wurde ausgezeichnet mit dem Adolf Grimme Preis, dem Bayrischen Filmpreis, dem Filmband in Gold und der Goldenen Kamera. Parallel zu ihrer Arbeit als Schauspielerin entwickelte sie ihre Karriere als Sängerin und Komponistin.

Sie trat mit Künstlern wie Max Raabe, Geschwister Pfister, Georgette Dee und Cora Frost auf. Regisseure wie u.a. Volker Schlöndorff oder Wim Wenders und U2 wurden auf sie aufmerksam und engagierten sie für verschiedene Musikvideo-Produktionen. Für die Musik zu dem Film 'Pipermint - das Leben möglicherweise' bekam Meret Becker den Max-Ophüls Filmmusik-Preis verliehen. Auf der Bühne agierte sie u.a. für den Friedrichstadtpalast Berlin, für Pina Bausch und das Tanztheater Wuppertal, sang in der Aufführung der Brecht/Weill Oper 'Die Sieben Todsünden der Kleinbürger' im Gewandhaus Leipzig und unter der Choreographie von Jean-Claude Galotta auf Gastspielen in Frankreich.

Sie stand unter anderem mit Nina Hagen auf der Bühne, verlieh Arnold Schönbergs 'Pierrot Lunaire' - unter der Leitung von Kent Nagano in der Philharmonie Berlin - ihre Stimme und spielte mit Bands wie Ars Vitalis, Einstürzende Neubauten, BAP und Sportfreunde Stiller. Im Herbst 2009 gründetet sie ihre neue Band 'Meret & The Tiny Teeth'.

Zwei Live-Alben, zwei Alben mit Eigenkompositionen und eine Film Musik CD sind bis heute von Meret national und international erschienen. Sie gibt Konzerte in Frankreich, Spanien, Portugal, Norwegen, Japan, Kanada und Australien.

Jürgen Vogel

Jürgen Vogel wurde 1968 in Hamburg geboren und feierte 1988 seinen ersten großen Leinwanderfolg mit Egon Günthers 'Rosamunde': Für seine Darstellung eines psychisch labilen Kidnappers wird er 1990 als bester Nachwuchs-Darsteller mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Große Popularität erlangt er durch seine nuanciert angelegte Rolle als sympathischer Lebenskünstler in Sönke Wortmanns erfolgreicher Komödie 'Kleine Haie'.

Nach Hauptrollen u. a. in Dani Levys 'Stille Nacht' und Matthias Glasners 'Sexy Sadie' - den Vogel mitproduzierte - begeistert er Publikum und die Kritik gleichermaßen durch seine Darstellung des unglücklich verliebten Tagträumers Jan Nebel in der X-Filme Produktion 'Das Leben ist eine Baustelle' von Wolfgang Becker. Dafür wird er beim Deutschen Filmpreis 1997 mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet. Er ist danach u. a. einer der Hauptakteure in Doris Dörries Tragikkomödie 'Nackt' und feiert 2005 sein Debüt als ernstzunehmender Sänger in 'Keine Lieder über Liebe'.

Große Aufmerksamkeit erregt Vogel mit seinem schonungslosen Porträt eines Vergewaltigers im von ihm mitproduzierten und mitgeschriebenen Film 'Der freie Wille' unter der Regie von Matthias Glasner. Vogel wird dafür auf der Berlinale 2006 mit dem Silbernen Bären für seine Gesamtleistung ausgezeichnet, und erhält auf dem Chicago Film Festival und in Tribecca den Preis für den besten Darsteller. Für seine Rolle als Krebskranker in 'Emmas Glück' erhält Jürgen Vogel 2007 den Bayerischen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller. Einen weiteren Erfolg feierte er 2008 mit der Kinoproduktion 'Die Welle'.

Aktuell ist er in den Kinos in 'This is Love' und 'Schwerkraft' zu sehen und dreht unter der Regie von Matti Geschonneck den TV-Spielfilm 'Tod in Istanbul'.

Die Produzenten Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion GmbH

Jakob Claussen und Thomas Wöbke gründeten 1992 die Claussen+Wöbke Filmproduktion GmbH in München. Seit Januar 2004 ist Uli Putz, die von Anfang an als Herstellungsleiterin mitarbeitete, ebenfalls Geschäftsführerin und Gesellschafterin. Die Hauptaktivität der Firma liegt in der Herstellung von Spielfilmen, für die große Leinwand wie auch fürs Fernsehen.

Filme (Auswahl):

2009 Boxhagener Platz (Matti Geschonneck)
2008 Maria, Ihm Schmeckts Nicht! (Neele Leana Vollmar)
2008 13 Semester (Frieder Wittich)
2008 Polizeiruf 110 - Rosis Baby (Andreas Kleinert)
2008 Krabat (Marco Kreuzpaintner)
2004 Sommersturm (Marco Kreuzpaint

Regisseur Matti Geschonneck über...

... Aufwachsen am Boxhagener Platz

Der Boxhagener Platz kommt im Film gar nicht vor und vor den Dreharbeiten haben wir darüber diskutiert: Wie zeigt man einen Platz? Den heutigen Platz konnten wir nicht nehmen, der ist saniert und fest in der Hand der Friedrichshain-Szene. Als ich da lebte, das war Anfang der 60er, da war das wirklich ein Platz, wo noch Brauereipferdefuhrwerke den Kneipen die Bierfässer lieferten, ebenso Eisblöcke zur Kühlung. Ich erinnere mich an Scheren- und Messerschleifer. Es gab einen großen Markt und eben den „Feuermelder“. Für mich als Kind hatte der damals keine Bedeutung. Um die Ecke wurde ich eingeschult. Das Amor in der Wühlischstrasse und das Aboli in der Boxhagener Strasse waren meine ersten Kinos, inzwischen längst dicht gemacht. Boxhagener Platz will nicht detailgenau die Vergangenheit aufzeigen; der Original_kommentar von Karl-Eduard von Schnitzler zum Republikgeburtstag und der Fanfarenzug bilden da eine Ausnahme. Mir ging es von Anfang an um die seelische Befindlichkeit der Figuren. Wie gelingt es, die Atmosphäre einer vergangenen Zeit zu vermitteln? Doch nur über ihre Figuren. Da bemerke ich schon Melancholie und Schmerz über eine vergangene Zeit, eine versunkene Welt, jedoch mit dem eigenen Humor versehen, den man ja besonders Berlinern nachsagt. Erinnerung birgt die Gefahr der sentimentalen Verklärung. Ich denke, mit so genannter Ostalgie hat unser Film nichts zu tun.

... Berlin

Die Geschichte ist für mich ein Berliner Heimatfilm. Eine Liebeserklärung an die Stadt. Es ist nicht nur ein Film, der in Berlin spielt, sondern ein Film über Berlin, den ich schon lange machen wollte. Da tut es auch nichts, dass Sachsen und Thüringer, wie u. a. der wunderbare Hermann Beyer, dabei waren.

... Die Figuren

Die Figur des Karl, der von Michael Gwisdek gespielt wird, steht für mich für die ganze Tragödie der DDR. Er zeigt die Zerrissenheit des einst gläubigen Kommunisten auf, der an der Verlogenheit des Systems zerbricht, mit gekonnter Verschmitztheit und aufrichtiger Menschenwärme.

Die Figur der Renate, Holgers Mutter, gespielt von Meret Becker, ist meine heimliche Liebe. Sie besitzt dieses Berliner Flair durch ihren ganz eigenen Charme. Der lässt auch dann nicht nach, wenn sie die Stullen zum Abendbrottisch balanciert. So passend im kongenialen Zusammenspiel mit Jürgen Vogel, dem armseligen Polizisten und hilflosen Ehemann, der zum kleinen Helden avanciert.

Gudrun Ritter liefert eine schauspielerische Meisterleistung ab! Oma Otti geht mit dem Leben und dem Tod äußerst praktisch um, der Friedhof ist für sie ein Stück Heimat. Ihre Herzlichkeit ist herb, sie hält den Laden zusammen. Otti hat einen solch starken Überlebenswillen, der jeder Gesellschaftsordnung trotzt.

Samuel Schneider hat gewiß die komplizierteste Rolle, dieser in sich gekehrte Junge Holger, eben kein Held. Die permanente Spannung zwischen seinen Eltern lässt ihn bei Oma Otti sein zu Hause finden und mit Karl seinen väterlichen Freund. Das macht Samuel eindringlich und konsequent.

Boxhagener Platz ist ein Ensemblefilm. Die fünf genannten Namen stehen für alle anderen durchweg wunderbaren Schauspieler. Und ich will auf keinen Fall meine engsten Mitarbeiter, den Kameramann Martin Langer und den Szenenbildner Lothar Holler, unerwähnt lassen. Natürlich auch meine Produzenten Jakob Claussen, Nicole Swidler, Uli Putz, die mich von Anfang an tatkräftig und sehr einfühlsam unterstützten. Und für die hervorragende Zusammenarbeit mit Torsten Schulz und seine großartige literarische Vorlage bin ich immer noch sehr dankbar.